Den ZSC Lions wird ein Tor gestohlen – na und?
Kurz vor dem Ende des Mitteldrittels die Szene der Saison, die – wahrscheinlich (aber eben nur wahrscheinlich) – das Spiel entscheidet. Nach einem unglücklichen Ausflug von Gottérons Goalie Reto Berra schiesst ZSC-Stürmer Rudolfs Balcers den Puck vermeintlich klar hinter die Torlinie des verlassenen Gehäuses – trotz verzweifeltem Rettungsversuch des Torhüters. Oder doch nicht?
Der langen Video-Diskussion kurzer Sinn: Die Bilder sind eindeutig. Der Puck ist drin. Es gibt weder eine ungenügende Kamera-Technik noch eine optische Täuschung. Es ist eine Fehlentscheidung der beiden Headschiedsrichter. Ohne Wenn und Aber. Punkt.
Statt 3:1 steht es nach 40 Minuten weiterhin 2:1 und Gottéron erzwingt die Wende und den Sieg (4:2). Vielleicht hätte Gottéron ein 1:3 nicht aufgeholt. Vielleicht aber doch. Die ausgeruhten Zürcher, die ihre letzte Partie am Mittwoch ausgetragen hatten, sind in den letzten 20 Minuten mit 11:6 Torschüssen überrollt und dominiert worden. Von einem Gegner, der am Vorabend in Ambri in der Verlängerung 6:5 gewonnen hatte.
Eine Diskussion um die Video-Technik ist nicht zielführend. Die ganze Video-Ausstattung unserer Stadien reicht bei weitem aus. Sie zeigt ja, dass der Puck drin war. Oder sollten die Schiedsrichter im Stadion von der Verantwortung des Video-Entscheides entbunden werden und eine Video-Zentrale eingerichtet werden? Nein. Auch dann sind solche Fehlentscheide nicht auszuschliessen. Die Video-Bilder werden von Menschen analysiert und das Risiko einer Fehlinterpretation durch den Menschen bleibt. Ob im Stadion oder in einer Video-Zentrale. Perfektion gibt es nicht.
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
Punkte
Goals/Assists
Spiele
Strafminuten
-
Er ist
-
Er kann
-
Erwarte
Natürlich ärgern sich die ZSC Lions. Und eine bessere Ausrede für eine Niederlage als ein gestohlenes Tor gibt es für Trainer und Sportchefs nicht. Meisterliche Gelassenheit ist, solche Fehlentscheide hinzunehmen und ohne Jammern wegzustecken.
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Oder schaden solche Fehler, die fürs TV-Publikum klar ersichtlich sind, dem Eishockey? Ganz und gar nicht. So wenig wie das Wembley-Tor bei der WM 1966 der Fussballkultur geschadet hat. Und immerhin hat damals das 3:2 der Engländer den Final gegen Deutschland entschieden (Schlussresultat 4:2). Bis heute gibt es keinen Beweis, dass der Ball drin war und das Tor hätte der Schweizer Schiedsrichter Gottfried «Gotti» Dienst nicht geben dürfen. Er gab es nach Konsultation des Linienrichters trotzdem und ist deshalb der vielleicht berühmteste Unparteiische der Fussball-Historie geworden.
Das gestohlene 3:1 der ZSC Lions wird im Rückblick auf diese Saison eine Episode bleiben und die Zürcher werden wegen dieser Schiedsrichter-Fehlentscheidung nicht vom Kurs abkommen. Bei Lichte besehen bereichert diese Episode die Hockey-Unterhaltungskultur und ist der Beweis dafür, dass es die im Welschland und im Tessin hin und wieder beschworene Deutschschweizer «Liga-Mafia» nicht gibt: Der Fehlentscheid betrifft den mächtigsten und reichsten Klub des Landes – die ZSC Lions – und bevorzugt mit Gottéron ein Team aus einer zweisprachigen Stadt. Was hätte das im Welschland für ein Geschrei («Liga-Mafia!») gegeben, wenn Gottéron gegen die ZSC Lions ein Treffer zum 3:1 gestohlen worden wäre!
Dieser gestohlene Treffer ist also der denkbar beste Beweis dafür, dass in unserem Hockey alles mit rechten Dingen zu und hergeht und dass es keine von den Deutschschweizern gesteuerte Liga-Mafia gibt. Wir dürfen deshalb sagen: Den ZSC Lions ist ein Tor gestohlen worden – na und?
